Das Beratungsgespräch ist keine Formalität

Fragen, die den gesamten PMU-Eingriff verändern können

Die Kundin weiß, welche Augenbrauen sie haben möchte. Sie zeigt ein Foto, wählt einen Farbton aus – und schon kann es losgehen?

Das Beratungsgespräch ist keine Formalität: Fragen, die den gesamten PMU-Eingriff verändern können

Die Kundin weiß, welche Augenbrauen sie haben möchte. Sie zeigt ein Foto, wählt einen Farbton aus – und schon kann es losgehen?

Genau hier sollte ein professionelles Beratungsgespräch erst richtig beginnen.

Die Vorstellung der Kundin ist nämlich nur ein Teil des Puzzles. Vor dem Entwurf muss die PMU-Künstlerin wissen, mit welchem Hauttyp und welchem Ausgangszustand sie arbeiten wird, welche Behandlungen der betreffende Bereich bereits durchlaufen hat, wie er bei früheren Eingriffen reagiert hat und was die Kundin tatsächlich vom Ergebnis erwartet.

Manche Antworten beeinflussen die Technik oder die Wahl des Pigments. Andere können bedeuten, dass der Eingriff verschoben, weitere Informationen eingeholt oder die Kundin zunächst an einen entsprechenden Facharzt überwiesen werden muss.

Eine gute Beratung besteht daher nicht aus zehn Minuten Small Talk vor dem Eingriff. Sie ist die erste Phase einer professionellen Entscheidungsfindung.

Was du wissen musst, bevor du mit dem Zeichnen beginnst

Es ist verlockend, mit der Frage zu beginnen: „Welches Ergebnis stellst du dir vor?“

Doch noch bevor du dir ein Bild vom Ergebnis machst, musst du den Ausgangszustand kennen.

Du solltest dich beispielsweise fragen:

●    Hat die Kundin in diesem Bereich bereits eine PMU oder einen anderen Eingriff vornehmen lassen?
●    Wann wurde dieser durchgeführt und wie oft?
●    Wie verlief die Heilung?
●    Ist die Pigmentierung gleichmäßig geblieben oder gab es Stellen, an denen die Heilung problematisch verlief?
●    Wurde eine Korrektur, Neutralisierung oder Entfernung älterer PMU-Behandlungen vorgenommen?
●    Wie sieht die Haut in dem Bereich aus, an dem du arbeiten wirst?
●    Nimmt die Kundin Medikamente ein oder unterzieht sie sich einer Behandlung, die für den Eingriff relevant sein könnte?
●    Sind bei früheren Behandlungen ungewöhnliche Reaktionen aufgetreten?
●    Welches Ergebnis erwartet sie und was gefällt ihr an ihrem derzeitigen Zustand nicht?

Es geht nicht darum, der Kundin einen Verhörraum mit einer Lampe über dem Kopf zu schaffen. ? Es geht darum, dass du vor dem Eingriff nicht mit Vermutungen arbeiten musst.

Altes Permanent-Make-up ist keine leere Leinwand

Bei einer Kundin mit bereits vorhandenem Permanent-Make-up sollte ein Foto des aktuellen Zustands eines der ersten Dinge sein, um die du noch vor dem Termin bittest.

Idealerweise ohne Filter, ohne Make-up, bei Tageslicht und aus ausreichender Nähe.

Das Foto ersetzt natürlich nicht die persönliche Beurteilung der Haut. Es kann jedoch im Voraus darauf hinweisen, dass die Situation möglicherweise nicht für ein einfaches „Übermalen“ geeignet ist.

Achte insbesondere auf die Intensität des Restpigments, dessen Farbverschiebung, Form, Asymmetrie und den Umfang der ursprünglichen Behandlung. Wichtig ist auch, ob die Kundin einen einzigen Eingriff oder mehrere wiederholte Korrekturen hatte.

Die Frage sollte daher nicht nur lauten:

„Hast du dort altes PMU?“

Fahre fort:

„Wann wurde es gemacht? Wie oft? Wurde es schon einmal korrigiert, neutralisiert oder entfernt? Weißt du, mit welchem Pigment gearbeitet wurde?“

Gerade die Antworten auf die weiteren Fragen entscheiden oft darüber, ob du nach dem ursprünglichen Plan fortfahren kannst oder einen ganz anderen Weg einschlagen musst.

Frag nach dem Heilungsprozess, nicht nur nach dem Ergebnis

„Ist es gut verheilt?“ ist eine Frage, die die meisten Kundinnen mit einem einzigen Wort beantworten.

Ja.

Und damit hast du nicht viel erfahren.

Viel hilfreicher ist es, den Heilungsprozess auf konkrete Situationen herunterzubrechen:

Wie lange hat die Heilung gedauert? War der Bereich stark geschwollen? Sind Krusten entstanden? Ist an einer Stelle die Pigmentierung stärker abgefallen? War eine außerplanmäßige Korrektur erforderlich? Wie sah das Ergebnis nach der vollständigen Heilung aus?

Die Kundin muss die Fachterminologie nicht kennen. Sie kann jedoch beschreiben, was sie gesehen und erlebt hat.

Und genau diese Beschreibung kann dir mehr Informationen liefern als ein allgemeines „Alles war in Ordnung“.

Ein Foto von Pinterest ist der Anfang eines Gesprächs, kein Auftrag

Ein Referenzfoto ist nützlich. Es zeigt, was die Kundin anspricht.

Es sollte jedoch nicht automatisch zu einer Bestellung à la „Bitte genau das“ werden.

Versuche stattdessen zu fragen:

„Was genau gefällt dir an diesem Ergebnis?“

Ist es die Farbe? Die Zartheit? Eine stärkere Definition? Die Form? Die Dichte? Der Effekt natürlicher Härchen?

Zwei Kundinnen können dasselbe Foto zeigen und jede sieht darin etwas völlig anderes.

Und dann kommt die zweite, noch wichtigere Frage:

„Was möchtest du hingegen auf keinen Fall?“

Manchmal gelangst du schneller zur tatsächlichen Vorstellung der Kundin, indem du Grenzen aufzeigst, als wenn du vom Ideal ausgehst.

Die Vorstellung der Kundin muss mit ihrem Ausgangszustand übereinstimmen

Bei der Beratung geht es nicht nur darum, Informationen zu sammeln. Sie bietet auch Raum dafür, realistische Erwartungen zu setzen.
Eine Form, die bei einem Gesicht funktioniert, muss bei einem anderen nicht unbedingt funktionieren. Der Farbton auf dem Foto muss nicht unbedingt dem Ergebnis nach der Heilung entsprechen. Und älteres Pigment kann die Möglichkeiten der weiteren Behandlung erheblich beeinflussen.

Bei der Farbauswahl ist es daher hilfreich, mit visuellen Hilfsmitteln zu arbeiten, anstatt sich auf abstrakte Begriffe wie „wärmer oder kälter“ zu verlassen.

Zur Bestimmung des Hautuntertons kannst du bei der Beratung beispielsweise das BIOTEK-Fototyp-Rad verwenden, das zur Beurteilung des Hautuntertons und zur anschließenden Auswahl eines geeigneten Augenbrauenfarbtons dient. Bei den Lippen kann die BIOTEK-Lippenfarbpalette ein praktisches Hilfsmittel sein, mit dessen Hilfe die Kundin die einzelnen Farbtöne direkt neben ihrem Gesicht betrachten kann.

BIOTEK-Fototyp-Rad

BIOTEK-Lippenfarbpalette

Die Auswahl bleibt jedoch stets eine fachliche Entscheidung der Kosmetikerin. Das Hilfsmittel kann der Kundin die Möglichkeiten besser veranschaulichen, ersetzt jedoch weder die Beurteilung des Hautuntertons noch des ursprünglichen Pigments noch die Art und Weise, wie sich die resultierende Farbe nach der Heilung verhalten wird.

Wann sollte eine Antwort eine weitere Frage auslösen?

Nicht jede Unklarheit bedeutet automatisch: „Ich führe den Eingriff nicht durch“. Manche Antworten bedeuten jedoch zumindest eines:

Stopp. Zuerst muss ich mehr wissen.

Besondere Aufmerksamkeit verdient beispielsweise eine Situation, in der die Kundin nicht weiß, was in der Vergangenheit in dem betreffenden Bereich durchgeführt wurde, ein älteres Permanent Make-up noch deutlich sichtbar ist, sie eine Entfernung oder Korrektur vornehmen ließ, eine ungewöhnliche Heilung oder Hautreaktion beschreibt oder ein Ergebnis erwartet, das angesichts des Ausgangszustands möglicherweise nicht realistisch ist.

Ebenso sollte man bei Informationen über aktuelle gesundheitliche Umstände, Medikamente, Hautprobleme oder kürzlich durchgeführte ästhetische Eingriffe aufmerksam sein, die für die Sicherheit oder das Ergebnis des PMU relevant sein können.

Ein professioneller Umgang bedeutet nicht, sofort auf alles eine Antwort zu haben.

Manchmal bedeutet es, sagen zu können: „Das müssen wir zuerst überprüfen.“

Der Entwurf entsteht nicht erst kurz vor dem Einstechen

Erst wenn du den Ausgangszustand und die Erwartungen der Kundin kennst, macht es Sinn, zum eigentlichen Entwurf überzugehen.
Bei den Augenbrauen kannst du beim Vorzeichnen mit einem Mapping-Faden, einem Caliper oder anderen Hilfsmitteln arbeiten, um Proportionen und Symmetrie zu überprüfen. PMU Shop hat derzeit beispielsweise den PRE-INKED Mapping-Faden und den POPU Caliper zur Messung der Augenbrauensymmetrie im Angebot.

PRE-INKED-Mapping-Faden 20 m

POPU-Caliper zur Messung der Augenbrauensymmetrie

Doch selbst eine perfekt gemessene Symmetrie ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem korrekten Entwurf. Das Gesicht ist keine technische Zeichnung. Mapping ist ein Hilfsmittel, das dir die Kontrolle über die Proportionen gibt, wobei der endgültige Entwurf jedoch weiterhin die natürliche Anatomie und Mimik der Kundin berücksichtigen muss.

Erstelle deine eigene Checkliste für Beratungsgespräche

Ein gutes Beratungsgespräch muss nicht jedes Mal gleich ablaufen. Es sollte jedoch derselben Logik folgen.

Eine eigene Checkliste hilft dir dabei, dass keine wichtige Frage ausgelassen wird – selbst wenn du bereits vier Kundinnen hinter dir hast und dein Gehirn langsam schon mit den Gedanken zu Hause ist.

Unterteile sie beispielsweise in fünf Bereiche:

1. Ausgangszustand
Hauttyp und -zustand, natürliche Pigmentierung, Asymmetrien und Zustand des Bereichs, an dem du arbeiten wirst.

2. Vorgeschichte des Bereichs
Frühere PMU-Behandlungen, Anzahl der Eingriffe und Korrekturen, Neutralisierung, Entfernung, andere ästhetische Eingriffe und verfügbare Informationen zu den verwendeten Pigmenten.

3. Bisheriger Heilungsverlauf
Verlauf der Heilung, Hautreaktionen, Pigmentretention und eventuelle Komplikationen.

4. Erwartungen der Kundin
Was sie möchte, was sie nicht möchte, was ihr an den Referenzfotos gefällt und welches Ergebnis sie als natürlich oder ausgeprägt empfindet.

5. Entscheidung der Künstlerin
Kann der Eingriff wie geplant durchgeführt werden? Müssen Technik, Form oder Farbstrategie angepasst werden? Benötigst du weitere Informationen? Oder ist es besser, den Eingriff zu verschieben?

Die Checkliste ist kein zusätzlicher bürokratischer Aufwand. Sie ist eine Methode, um professionelle Entscheidungsfindung aus dem Kopf in ein System zu übertragen.

Die wichtigste Frage wird vielleicht schon vor dem Eingriff gestellt

Ein technisch präzises PMU beginnt nicht mit dem ersten Einstich. Es beginnt viel früher: mit einem Foto, das die Kundin vor dem Termin schickt. Mit der Frage nach älterem Pigment. Mit einem Gespräch über den Heilungsprozess. Mit einer Vorzeichnung, bei der du feststellst, dass die Vorstellung aus dem Referenzfoto auf dem konkreten Gesicht nicht funktionieren wird.

Und manchmal auch durch die Entscheidung, dass heute einfach kein Tattoo gestochen wird. Denn eine gute Beratung soll die Kundin nicht nur auf den Eingriff vorbereiten.

Sie soll ihr dabei helfen, zu entscheiden, welcher Eingriff für sie überhaupt der richtige ist.